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125 Jahre Siemens in Koblenz

Das Technische Büro von den Siemens-Schuckertwerken in Koblenz befand sich in den 1930er Jahren in der Löhrstraße 116.

Von der Untervertretung zur Niederlassung: Die Anfänge

Die Verbindung zwischen Siemens und dem Rheinland reicht bis ins Jahr 1878 zurück, als Julius Böddinghaus aus Düsseldorf die Vertretung von Siemens & Halske für das Rheinland und Westfalen übernahm. 1888 legte er die Vertretung für das Rheinland nieder; fortan fungierte die Firma Schaubach & Graemer in Koblenz-Lützel als Untervertretung. Im Jahr 1901 schließlich eröffnete die Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. Schuckert & Co., Nürnberg, in Koblenz ein eigenes Unterbüro – der Vorläufer der heutigen Niederlassung.
Bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts lieferte Siemens & Halske eine Vielzahl von Anlagen für Koblenz und die Region: Frühe Feuermeldesysteme, Sicherungsanlagen für die Deutsche Bank sowie eine elektrische Zentral-Uhrenanlage für das Koblenzer Rathaus. Für die Rasselsteiner Eisenwerke in Neuwied wurde eine Fernsprechanlage installiert.

Medizintechnik: Pionierarbeit für die Gesundheitsversorgung

Bereits in den 1920er Jahren erkannte Siemens die Bedeutung der Medizintechnik für die Region. Von 1921 bis 1923 stattete Siemens & Halske das neue Krankenhaus Kemperhof in Moselweiß mit umfangreicher Medizintechnik aus – darunter ein leistungsfähiger Diagnostikapparat mit Siemens-Universalstativ, ein Multivolt-Apparat für die gleichzeitige Bestrahlung von zwei Patienten, ein Diathermieapparat sowie ein Elektrokardiograf. In den folgenden Jahrzehnten folgten weitere Krankenhäuser: Das Elisabeth-Krankenhaus, das Krankenhaus Marienhof und das Krankenhaus der Dominikanerinnen erhielten Anlagen für Röntgendiagnostik und -therapie.
Ein besonderer Meilenstein war die Installation eines Siemens-Betatrons im Krankenhaus Kemperhof Mitte des 20. Jahrhunderts. Das System – auch „Elektronenschleuder" genannt – ermöglichte erstmals eine effektive Bestrahlung von tieferliegenden Tumoren und markierte einen entscheidenden Durchbruch in der Strahlentherapie. Später kam im Kemperhof auch ein Gammatron für die Strahlentherapie zum Einsatz.
1968 nahm das Röntgeninstitut von Dr. med. Alexander von Essen in Koblenz als erste Praxis in der Bundesrepublik einen Siregraph in Betrieb – einen Röntgenuntersuchungstisch mit Bildverstärker und Bildschirm. Der Siregraph entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer der erfolgreichsten Produktlinien von Siemens und wurde 1978 auf einer deutschen 60-Pfennig-Briefmarke abgebildet. 2005 schließlich lieferte Siemens an das Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz zwei Hochleistungs-Computertomografen, darunter den zu dieser Zeit schnellsten und modernsten Computertomografen des Unternehmens – den Somatom Sensation Cardiac 64, der ein hochaufgelöstes dreidimensionales Bild vom Herzen in weniger als zehn Sekunden anfertigte.

1926: Panoramaansicht der ersten Nord-Süd-Stromleitung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG. Hier installierten die Siemens-Schuckertwerke neuartige Hohlseilleitungen, die bei Koblenz den Rhein überspannten.

1926: Auf zwei rund 120 Meter hohen Gittermasten überquerte die Hohlseilleitung der Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG den Rhein.

1928: Von Siemens & Halske in den Rasselsteiner Eisenwerken installierte Messanlage, die Temperaturen und Betriebswerte der Siemens-Martin-Öfen für eine präzise Steuerung und Dokumentation erfasste.

1928: Messanlage von Siemens in den Rasselsteiner Eisenwerken. Sie erleichterte die Ofensteuerung und ermöglichte eine zuverlässige Kontrolle des Schmelzprozesses durch dokumentierte Messdaten.

Energie und Infrastruktur: Strom für die Region

Die Siemens-Schuckertwerke waren in den 1920er-Jahren an einem der spektakulärsten Infrastrukturprojekte der damaligen Zeit beteiligt: dem Bau der sogenannten Nord-Süd-Leitung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG (RWE). Auf rund 80 Kilometern der insgesamt 200 Kilometer langen Trasse zwischen Köln und Rheinau bei Mannheim installierten die Siemens-Schuckertwerke eine neuartige Hohlseilleitung. Die Strecke verlief über die Eifelvorberge, das Koblenzer Stadtgebiet, den Westerwald und den nördlichen Taunus. Bei Koblenz querte sie auf zwei rund 120 Meter hohen Gittermasten den Rhein – ein technisches Bild, das die Stadtsilhouette prägte. Unmittelbar westlich der Rheinquerung errichteten die Siemens-Schuckertwerke zudem das Umspannwerk Koblenz.
Ab 1958 beteiligte sich Siemens an der Moselkanalisierung: Im Zuge des Ausbaus des Flusses zu einer modernen Schifffahrtsstraße entstanden zwischen Koblenz und Trier zehn Laufwasserkraftwerke. Für die Kraftwerke Detzem und Fankel übernahmen die Siemens-Schuckertwerke Entwurf, Bauberatung und Bauleitung und lieferten jeweils die Generatoren sowie wesentliche Teile der elektrischen Ausrüstung. 1984 war Siemens am Umbau der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring technisch beteiligt und installierte eine Fernsprechanlage mit 17 Unterzentralen, Warnblink- und Fernwirktechnik sowie die Mittelspannungsversorgung einschließlich aller Niederspannungsverteilungen. Zudem verlegte Siemens dort mehr als 200 Kilometer Stark- und Schwachstromkabel.

1935: Eine im Koblenzer Hotel Höhmann verbaute Großküche der Siemens-Schuckertwerke umfasste zwölf Kochstellen mit insgesamt zehn Platten und zwei Brat- und Backöfen sowie einen eingebauten Wärmeschrank.

1952: Rohrpoststelle mit einer Rohrpost-Kleinanlage von Siemens & Halske. Bei einer Rohrpost-Kleinanlage handelte es sich um ein Luftdruck-Transportsystem für Dokumente oder kleinere Gegenstände. 

1952: In der abgebildeten Rohrpoststelle wurden Sendungen manuell sortiert und mithilfe von Druckluft durch ein Rohrnetzwerk zum Bestimmungsort transportiert.

Verkehr und Kommunikation: Koblenz im Takt der Zeit

Siemens hat die Mobilität in Koblenz über Jahrzehnte mitgestaltet. 1941 wurden vier Oberleitungsbusse von MAN mit elektrischer Ausrüstung der Siemens-Schuckertwerke auf der Linie nach Höhr-Grenzhausen in Betrieb genommen. 1959 lieferte Siemens & Halske eine Verkehrssignalanlage mit sechs signalgeregelten Knotenpunkten für Koblenz. 1967 nahm am Hauptbahnhof Koblenz ein neues Relaisstellwerk von Siemens seinen Betrieb auf, das mehrere ältere Anlagen ersetzte und die zentrale Bedienung aller Bahnhofsanlagen ermöglichte.
1971 beauftragte das Tiefbauamt der Stadt Koblenz Siemens mit der Modernisierung des gesamten Verkehrssignalnetzes. Herzstück war ein Siemens-Verkehrsrechner VSR 16002. Seit 2008 fahren auf der MittelrheinBahn Elektrotriebzüge vom Typ Desiro ML von Siemens Mobility. Die von Trans Regio betriebene Strecke verbindet Mainz und Köln entlang des Rheins mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. 2021 bestellte die Hessische Landesbahn drei zweiteilige Batteriezüge vom Typ Mireo Plus B von Siemens Mobility für die Ober- und Unterwesterwaldbahn – ein Pilotprojekt, das Dieseltriebzüge ersetzen soll.
Auch in der Kommunikationstechnik setzte Siemens Maßstäbe: 1952 nahm ein von Siemens & Halske eingerichtetes Fernamt in Koblenz mit 87 Fernplätzen und rund 300 Fernleitungen den Betrieb auf. 1976 lieferte Siemens die technischen Einrichtungen für eine neue Hauptvermittlungsstelle, die die Fernsprechversorgung von rund 140.000 Teilnehmern im Ballungsraum Mittelrhein sicherstellte. 1989 vernetzte Siemens die Stadtverwaltung Koblenz mit neun Kommunikationsanlagen vom Typ Hicom – dem weltweit ersten System, das auf Basis des internationalen ISDN-Standards Telefonie, Text-, Bild- und Datenübertragung in einem gemeinsamen Netz zusammenführte.

1971 beauftragte das Tiefbauamt der Stadt Koblenz Siemens mit der Modernisierung des Verkehrssignalnetzes. Kernstück war der Verkehrsrechner VSR 16002, der alle Ampeln zentral und verkehrsabhängig steuern sollte.

1975: Im Milchhof Koblenz-Neuwied steuerte eine SIMATIC-P-Anlage von Siemens automatisch alle Arbeitsgänge der Milchverarbeitung, von der Rohmilchanlieferung bis zur Weiterverarbeitung in Butterei, Käserei und Joghurtabteilung.

1985: Das Kommunikationssystem Hicom, dessen Entwicklung in den späten 1970er Jahren begann, wurde in verschiedenen Generationen angeboten, darunter das hier abgebildete HICOM 180, das speziell für unterschiedlich große Unternehmen entwickelt wurde.

1989 beauftragte die Stadt Koblenz Siemens, Verwaltung und städtische Einrichtungen mit neun Hicom-Kommunikationsanlagen zu vernetzen. Hier ein Beispielfoto der Anlage. 

Automatisierung und Digitalisierung: Moderne Lösungen für Industrie und Stadt

Schon früh brachte Siemens Automatisierungstechnik in die Region. 1975 wurde im Milchhof Koblenz-Neuwied eine Milchverarbeitungsanlage in Betrieb genommen, deren Pumpen und Ventile von einer Simatic-P-Anlage von Siemens gesteuert und überwacht wurden. Alle Arbeitsgänge – von der Anlieferung der Rohmilch über das Erhitzen und Homogenisieren bis zur Weiterverarbeitung in Butterei, Käserei und Joghurtabteilung – ließen sich automatisch von der zentralen Warte aus steuern.
1990 stattete Siemens die Vereinigten Wasserwerke Mittelrhein mit einem Automatisierungssystem inklusive Doppelrechner Sicomp M56 aus. Seit 2020 setzt die EnviroFALK GmbH bei ihren Prozesswasseraufbereitungsanlagen Automatisierungstechnik von Siemens ein. 

2021: Schaltschrank bei der EnviroFALK GmbH. Die Automatisierungstechnik von Siemens stellt den zuverlässigen Betrieb der Wasseraufbereitungsanlagen beim Kunden sicher.

2023: Seit 2008 setzt die Transregio auf der Strecke der Mittelrheinbahn 17 Elektrotriebzüge des Typs Desiro ML von Siemens Mobility ein. Diese Züge wurden zwischen 2023 und 2026 schrittweise modernisiert.

2023-2026: Ausgebaute Sitze vor einer zu modernisierenden Bahn in der Multifunktionshalle Wegberg-Wildenrath.

2025: Das aktuelle Gebäude der Siemens-Niederlassung Mittelrhein in der Anton-Jordan-Straße 3, Koblenz, bietet ein modernes und nachhaltiges Arbeitsumfeld für rund 180 Mitarbeitende. 

Siemens in Koblenz heute: Partner für die Zukunft der Region

Im Jahr 2025 bezog die Siemens-Niederlassung Mittelrhein am Standort Koblenz neue Räumlichkeiten in der Anton-Jordan-Straße 3 – zusammen mit dem bereits dort ansässigen Standort der Siemens Industry Software GmbH. Mit dem Standort Koblenz betreut die Niederlassung Mittelrhein Kunden aus dem Stadtkreis Koblenz und sieben angrenzenden Landkreisen. Die Niederlassung vertreibt Produkte, Systeme, Lösungen und Services aus dem Siemens-Portfolio von Digital Industries – Automatisierung, Antriebstechnik und Digitalisierung – sowie von Smart Infrastructure, darunter Gebäudeautomatisierung, Brandschutz- und Sicherheitstechnik sowie Lösungen und Services rund um Elektrifizierung und Reduzierung des Energieverbrauchs.
„Die Geschichte von Siemens in Koblenz zeigt, wie eng technologische Entwicklung und regionale Infrastruktur miteinander verbunden sind“, sagt Bettina Popp, Repräsentantin der Siemens-Niederlassung Mittelrhein. „Heute liegt unser Fokus darauf, Kunden bei Digitalisierung, Automatisierung und Infrastruktur zu unterstützen. Dass wir dies seit vielen Jahrzehnten erfolgreich tun können, ist vor allem der Leistung unseres Teams zu verdanken. Mein Dank gilt daher allen Kolleginnen und Kollegen der Niederlassung, die mit ihrem Know-how und ihrem Engagement täglich zum Erfolg von Siemens in Koblenz beitragen – ebenso wie unseren Kunden in der Region Mittelrhein für ihr langjähriges Vertrauen in Siemens.“
Bildquellen: Siemens Historical Institute, Siemens Mobility, Siemens AG

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Die Siemens AG (Berlin und München) ist ein führendes Technologieunternehmen mit Fokus auf die Felder Industrie, Infrastruktur, Mobilität und Gesundheitswesen. Anspruch des Unternehmens ist es, Technologie zu entwickeln, die den Alltag verbessert, für alle. Indem es die reale mit der digitalen Welt verbindet, ermöglicht es den Kunden, ihre digitale und nachhaltige Transformation zu beschleunigen. Dadurch werden Fabriken effizienter, Städte lebenswerter und der Verkehr nachhaltiger. Als führendes Unternehmen im Bereich industrieller Künstlicher Intelligenz nutzt Siemens sein umfassendes Fachwissen, um KI - einschließlich generativer KI - auf reale Anwendungen zu übertragen und entwickelt KI-Lösungen für Kunden aller Branchen, die einen echten Mehrwert bieten. Siemens ist mehrheitlicher Eigentümer des börsennotierten Unternehmens Siemens Healthineers, einem weltweit führenden Anbieter von Medizintechnik, der Pionierarbeit im Gesundheitswesen leistet. Für jeden Menschen. Überall. Nachhaltig.
Im Geschäftsjahr 2025, das am 30. September 2025 endete, erzielte der Siemens-Konzern einen Umsatz von 78,9 Milliarden Euro und einen Gewinn nach Steuern von 10,4 Milliarden Euro. Zum 30.09.2025 beschäftigte das Unternehmen auf fortgeführter Basis weltweit rund 318.000 Menschen. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.siemens.com.
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