Direkt am Areal, entlang der Nonnendammallee, verläuft eine
Abwasserdruckleitung, durch die pro Sekunde 400 bis 1.000 Liter Abwasser zum
Klärwerk Ruhleben fließen. Siemens hat gemeinsam mit GETEC ein Energiekonzept
entwickelt, das mit dem Partner BWB umgesetzt wird. Es zeigt, dass die
Abwasserwärme in Kombination mit Wärmepumpen bis zu 85% der in Siemensstadt
Square benötigten Wärme und Kälte liefern kann. Die verbleibenden 15% an
Wärmeenergie werden über Luftwärmepumpen gedeckt. Der zum Betrieb notwendige
Strom wird zu 100% grün erzeugt – entweder lokal oder aus Wind- und Solarparks
zugekauft. Im Rahmen des Energieprojekts werden mit dem Betrieb allein für
die von Siemens genutzten Gebäude pro Jahr 1.700 Tonnen CO₂ eingespart.
Bei der Wärmegewinnung und -verteilung kommt
Siemens-Anlagentechnik zum Einsatz. Dafür hat das Unternehmen einen
4-Schleifen-Wärmetauscher mit einem Durchmesser von 1,40 m und einer Länge von
rund 800 Metern entwickelt. Das Abwasser wird von der Druckleitung unter der
Nonnendammallee in den Wärmetauscher umgeleitet. Dort wird ihm die Wärme
entzogen, bevor es wieder zurück in die Hauptleitung fließt. Vor- und
Rücklaufleitungen verbinden den Wärmetauscher mit der Energiezentrale des
Quartiers, die Siemens gemeinsam mit GETEC errichten und betreiben wird. Dort
wird das Wasser mittels Wärmepumpen auf das nötige Temperaturniveau von bis zu
55 Grad Celsius erwärmt und speist damit das Nahwärmenetz. Die Gesamtanlage ermöglicht
so eine thermische Leistung von bis zu 10 Megawatt; dies entspricht der
Heizleistung von rund 1.000 Heizungsanlagen in modernen Einfamilienhäusern und
ist in etwa vergleichbar mit der Fernwärmeversorgung von Teltow oder Neuruppin.
Im Sommer sichern die Wärmepumpen darüber hinaus die Kälteversorgung.
Siemens und GETEC haben sich für eine langfristige
Partnerschaft entschieden und im Jahr 2024 das Joint Venture NewEnergySquare
GmbH gegründet. Das Joint Venture realisiert das Energieprojekt in Siemensstadt
Square.
„Die Siemens AG hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 CO₂-neutral
zu sein. Gebäude spielen dabei eine zentrale Rolle – sie sind weltweit für fast
40 Prozent der CO₂-Emissionen verantwortlich. Mit Siemensstadt Square
wollen wir zeigen, wie eine klimafreundliche Energieversorgung im
Gebäudebestand und Neubau gelingen kann. Die Nutzung von Abwasserwärme ist
dabei ein entscheidender Hebel: kostengünstig, lokal verfügbar und genau dort
erschließbar, wo der Energiebedarf am höchsten ist. Unser Versorgungskonzept
setzt einen Meilenstein für die großflächige Nutzung dieser Ressource – und
schafft eine Blaupause für andere Stadtquartiere“, sagt Thomas Braun, General
Manager von Siemensstadt Square.
"Wir sind stolz, gemeinsam mit Siemens dieses
zukunftsweisende Projekt zu verwirklichen, das einen bedeutenden Schritt hin
zur Klimaneutralität und effizienten Ressourcennutzung markiert. Im Rahmen
unseres gemeinsamen Joint Ventures werden wir unsere operative Exzellenz unter
Beweis stellen und die Planung, Finanzierung, Errichtung sowie Betriebsführung
der neuen Energiezentrale, sowie des Abwasserwärmetauschers und der Wärme- und
Kältenetze übernehmen. Siemensstadt Square ist ein herausragendes Beispiel für
unser Engagement, nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen für das urbane Leben
von morgen zu entwickeln“, sagt Thomas Stephanblome, CEO GETEC Plattform Deutschland.
„Der Bau des größten Abwasserwärmetauschers Europas ist ein
Paradebeispiel für die Wärmewende in Berlin. Das innovative Energiekonzept in
Siemensstadt Square zeigt, wie ganze Quartiere CO₂-neutral versorgt werden
können. Unser Ziel ist ein klimaneutrales Berlin bis 2045. Ein wichtiger
Hebel hierfür ist die Zusammenarbeit von privaten Unternehmen und öffentlicher
Hand, so wie wir es hier sehen. Siemensstadt Square ist ein Berliner Zukunftsort,
an dem sich Klimaschutz, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Stärke
verbinden und der weit über Berlin hinaus Strahlkraft hat“, sagt Franziska Giffey,
Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe.
"Mit dem Abwasserwärme-Projekt entsteht in Spandau die
größte Anlage ihrer Art in Europa. Damit wird gezeigt, wie vorhandene
Energiequellen vor Ort genutzt werden können, um Klimaschutz und
Stadtentwicklung miteinander zu verbinden. Für unseren Bezirk ist das ein
wichtiger Schritt hin zu mehr Nachhaltigkeit", sagt Frank Bewig,
Bezirksbürgermeister Spandau.
Der Aufbau der klimaneutralen Wärmeversorgung wird über die
Bundesförderung für effiziente Wärmenutzung (BEW) gefördert.